Die Bewertung eines Grundstücks wirkt auf den ersten Blick simpel: Quadratmeterpreis mal Fläche, fertig. In der Praxis ist die Grundstücksbewertung jedoch deutlich komplexer und voller Fallstricke. Ob Käufer, Verkäufer, Bauherren oder Investoren: Wer die typischen Stolpersteine nicht kennt, riskiert Fehlentscheidungen, finanzielle Verluste oder langwierige Streitigkeiten.
Geht es um Kauf oder Verkauf eines Grundstück, ganz gleich ob Bauland oder bereits bebaute Fläche, ist vor Aufnahme konkreter Verhandlungen stets eine realistische Grundstücksbewertung notwendig. Empfehlenswert sind dafür die Einbeziehung von:
- Bodenrichtwert
- Verkehrswert
- Immobilienbewertung durch Sachverständige (Makler)
Als erfahrene Immobilienmakler kennen wir die häufigsten Stolpersteine bei der Grundstücksbewertung:
1. Bodenrichtwert und tatsächlicher Grundstückswert werden verwechselt
Einer der größten Irrtümer besteht darin, den Bodenrichtwert mit dem Marktwert gleichzusetzen. Bodenrichtwerte sind amtliche Durchschnittswerte, die für größere Zonen gelten und regelmäßig von Gutachterausschüssen ermittelt werden. Sie dienen als Orientierung, nicht als exakter Preis.
Warum das problematisch ist:
Ein konkretes Grundstück kann erheblich vom Bodenrichtwert abweichen. Faktoren wie Zuschnitt, Lagequalität, Ausrichtung, Erschließung oder baurechtliche Möglichkeiten wirken sich unmittelbar auf den tatsächlichen Wert aus.
Typischer Stolperstein:Verkäufer orientieren sich häufig ausschließlich am Bodenrichtwert und setzen den Angebotspreis entsprechend zu hoch an. Käufer hingegen gehen oft davon aus, ein Grundstück zum Bodenrichtwert erwerben zu können. In gefragten Lagen – etwa in Kiel oder im Speckgürtel – ist diese Erwartung jedoch nur selten realistisch.
Was das für den Grundstückswert bedeutet:
Der Bodenrichtwert dient lediglich als erste Orientierung. Der tatsächlich erzielbare Preis ergibt sich erst aus einer individuellen Bewertung des Grundstücks unter Berücksichtigung seiner Lage, Beschaffenheit und der aktuellen Marktsituation.
2. Die Lage wird zu pauschal betrachtet
„Gute Lage“ ist nicht gleich „gute Lage“. Selbst innerhalb eines Stadtteils in Kiel können Grundstückswerte stark variieren.
Warum eine grobe Bewertung nicht ausreicht:
Oft unterschätzt werden beispielsweise:
- Straßenlärm, Bahntrassen oder Gewerbe in unmittelbarer Nähe
- Ausrichtung des Grundstücks (Nord-/Südlage)
- Hanglage, schwierige Topografie oder umständliche Erreichbarkeit
- Mikro-Lage innerhalb einer Wohngegend (Eckgrundstück, Sackgasse, Durchgangsstraße)
Typischer Stolperstein:
Die Bewertung erfolgt allgemein auf Basis von Ort, Stadtteil oder Straße, ohne die konkrete Umgebung des Grundstücks zu analysieren.
Was das für den Grundstückswert bedeutet:
Immer die konkrete Umgebung betrachten, idealerweise durch Ortsbesichtigung und Vergleich mit tatsächlich verkauften Grundstücken im direkten Umfeld.
3. Erschließungszustand wird falsch eingeschätzt
Ein häufiger Kostenfaktor wird übersehen oder falsch bewertet: die Erschließung.
Worin das Risiko liegt:
Unterschieden werden muss zwischen:
- voll erschlossenen Grundstücken
- teilerschlossenen Grundstücken
- nicht erschlossenen Grundstücken
Typischer Stolperstein:
Anschlusskosten / Erschließungskosten für Straße, Kanal, Wasser, Strom, Gas oder Glasfaser werden gar nicht oder nur grob berücksichtigt. Fallen jedoch solche Kosten an, erreichen diese oft fünfstellige Beträge.
Was das für den Grundstückswert bedeutet:
Der Erschließungszustand beeinflusst den Wert eines Grundstücks unmittelbar. Ohne eine klare Prüfung ist keine realistische Bewertung möglich.
4. Baurecht wird falsch interpretiert
Nicht jedes Grundstück darf so bebaut werden, wie es auf den ersten Blick scheint.
Häufige Missverständnisse:
Käufer setzen nicht selten unbedarft die Möglichkeit von Um- oder Anbauten voraus. Typische Fehlannahmen sind:
- „Das benachbarte Haus verfügt über eine Etage mehr, hat eine Terrasse und ist besonders attraktiv verputzt, also darf ich an meinem Haus auch solche Veränderungen vornehmen.“
- „Im Innenbereich darf man immer bauen, auch wenn sich der Grundriss des Gebäudes dadurch verändert.“
- „Auf meinem Grundstück kann ich machen, was ich will. Der Bebauungsplan wird dann einfach nach meinen Vorstellungen geändert.“
Typischer Stolperstein:
Für jedes Grundstück gibt es klare Vorschriften. Werden Bebauungsplan, Baulinien, Grundflächenzahl (GRZ), Geschossflächenzahl (GFZ), Abstandsflächen oder Denkmalschutzstatus vor dem Kauf nicht sorgfältig geprüft, lassen sich bestimmte Vorhaben möglicherweise nicht umsetzen.
Was das für den Grundstückswert bedeutet:
Einschränkungen im Baurecht reduzieren häufig den Grundstückswert deutlich gegenüber vergleichbaren Flächen ohne Auflagen.
5. Grundstücksgröße und Zuschnitt werden falsch bewertet
Ein wesentlicher Faktor bei der Grundstücksbewertung sind Grundstücksgröße und -zuschnitt. Der individuelle Quadratmeterpreis hängt auch von der Gesamtfläche des Grundstücks ab. Mit zunehmender Grundstücksgröße oder bei ungünstigem Zuschnitt sinkt oft der Preis pro Quadratmeter.
Warum pauschale Berechnungen problematisch sind
Der Quadratmeterpreis eines Vergleichsgrundstücks wird ohne Betrachtung aller Parameter einfach auf ein deutlich größeres Grundstück übertragen. Mit zunehmender Grundstücksgröße sinkt häufig der Quadratmeterpreis. Auch ungünstige Zuschnitte etwa schmale oder verwinkelte Grundstücke wirken sich wertmindernd aus.
Typischer Stolperstein:
Eine pauschale Betrachtung kann zu einer Über- oder Unterbewertung des Grundstücks führen. Das trifft beispielsweise auf sehr große oder ungünstig geschnittene Grundstücke zu.
Was das für den Grundstückswert bedeutet
: Eine seriöse Grundstücksbewertung berücksichtigt neben der Fläche auch Nutzbarkeit, Zuschnitt und Marktnachfrage.
6. Altlasten und Bodenbeschaffenheit werden ignoriert
Ein unsichtbarer, aber besonders teurer Stolperstein sind Altlasten und Bodenprobleme.
Warum Vorsicht geboten ist :
Einem Grundstück sieht man nicht immer auf den ersten Blick an, ob sich Bauvorhaben hier direkt umsetzen lassen. Durch die Bodenbeschaffenheit können unerwartete Kosten auf Eigentümer oder Bauherren zukommen. Dabei geht es beispielsweise um:
- kontaminierte Böden (Altindustrie, Tankstellen, Deponien)
- schlechte Tragfähigkeit
- hoher Grundwasserstand
- aufwendige Bodenverbesserungen
Typischer Stolperstein:
Das Grundstück wirkt bei der Besichtigung attraktiv. In der Euphorie wird auf eine Prüfung verzichtet. Probleme werden erst beim Bauantrag oder beim Aushub entdeckt.
Was das für den Grundstückswert bedeutet:
Vom ersten Eindruck sollte man sich nicht täuschen lassen, wenn es um die Grundstücksbewertung geht. Ein Blick ins Altlastenkataster oder das Einholen eines Bodengutachtens tragen zu einer realistischen Grundstücksbewertung bei und beugen bösen Überraschungen vor.
7. Marktstimmung und Nachfrage werden ausgeblendet
Auch Grundstückswerte unterliegen dem Wandel. So können Grundstücke in Gegenden, die einst sehr beliebt waren, durch neue Begleitumstände plötzlich unattraktiv werden. Beispielsweise kann der Bau einer neuen Straße oder von Industrieanlagen in unmittelbarer Nähe zu einer erheblichen Minderung des grundstückswertes führen.
Das Problem:
Nicht immer sind Grundstücksbewertungen aktuell. Manchmal führen Preise aus Boomzeiten, Wunschvorstellungen der Verkäufer oder das Verschweigen von Planungen zu Bauvorhaben im Umfeld zu einer Überbewertung von Grundstücken. Umgekehrt können Grundstücke durch aktuelle Begleitumstände auch aufgewertet werden.
Typischer Stolperstein:
Nachfrage und Lage werden über- oder unterschätzt, Bautätigkeit und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ignoriert. Das kann zu einer unrealistisch hohen oder zu niedrigen Grundstücksbewertung führen. Als Folge bleibt das Grundstück lange unverkäuflich oder es wird unter Wert verkauft.
Was das für den Grundstückswert bedeutet:
Für eine realistische Grundstücksbewertung kommt es auf eine objektive Beurteilung aller aktuellen Begleitumstände an. Dazu gehören gesellschaftliche Entwicklungen im Viertel ebenso wie das Einbeziehen geplanter Bauvorhaben und anderer Projekte
Fazit: Warum eine professionelle Grundstücksbewertung entscheidend ist
Die Bewertung eines Grundstücks erfordert eine ganzheitliche Betrachtung. Rechtliche Rahmenbedingungen, technische Gegebenheiten, Lagequalität und Marktumfeld greifen ineinander. Die größten Bewertungsfehler entstehen dort, wo vereinfacht oder ausschließlich auf einzelne Kennzahlen vertraut wird.
Wer sein Grundstück in Kiel oder im Kieler Umland bewerten möchte, sollte Bodenrichtwerte richtig einordnen, Lage und Baurecht sorgfältig prüfen, Erschließungs und Zusatzkosten realistisch kalkulieren und die aktuelle Marktsituation einbeziehen. In vielen Fällen ist fachliche Unterstützung durch einen erfahrenen Immobilienmakler sinnvoll.
Denn schon kleine Ungenauigkeiten bei der Grundstücksbewertung können erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Eine fundierte Einschätzung schafft Sicherheit und bildet die Grundlage für erfolgreiche Entscheidungen rund um Kauf oder Verkauf.